i\'m just killing lately

 Bruchstück.

Sie blickt über den Tisch. Ihre müden Augen mustern sein Profil. Sie findet ihn schön. Seine dunklen Augen sind unergründlich. Seine Haare sind wie die Nacht. Sie hat immer den Reflex hineinzugreifen. Er tippt etwas in sein Handy. Das sind die seltene Momente, in denen sie ihn in Ruhe betrachten kann, ohne dass er den Kopf senkt oder wegschaut. Er hat etwas an sich, das manche Menschen zweimal hinschauen lässt. Vielleicht ist "schön" das falsche Wort. Interessant. Das würde sie sagen. Faszinierend ist es für sie immer wieder, dass es Männer und Frauen gleichermaßen anzieht oder abstößt. 

Er entschuldigt sich viel zu oft bei ihr, obwohl er nur eine Sms schreibt. Sie lächelt. Würde er ihre Gedanken lesen können, hätte er keinen Grund mehr sich zu entschuldigen.

Sie hatten mal eine gemeinsame Geschichte, doch diese ist verflogen. Wie so vieles in ihrem Leben. Aber sie ist es wert, erzählt zu werden. Nicht in diesem Teil und nicht am Anfang. Alles bei ihnen ist außerhalb des Plans, also warum nicht auch ihre Geschichte? Sie ist gerade einem Typen in eine andere Stadt nachgefahren und die Verwirrung über diesen Kurztrip steht ihr immer noch ins Gesicht geschrieben und ist mit jeder ihrer Handlungen greifbar. Er weiß, dass dieser Zustand geistiger Umnachtung nur eintritt, wenn es gut war und sie bewegt hat. Sie lernt einfach nicht, ihre Gefühle zu kontrollieren. Davon könnte H. wahrscheinlich ein Lied singen, wäre er dabei gewesen.

Endlich ist er fertig seinen Text zu tippen und steckt das Handy weg. Zigaretten werden gedreht. Sie sprechen über unterschiedliche Lebenspläne und die Schwierigkeit, sie zusammenzubringen. Seine Freundin hat gerade Plan A verloren und ist bei Plan B. "Das es auch immer gleich Australien sein muss." Sie schüttelt innerlich den Kopf. Ob er mitgeht oder nicht, ist noch nicht entschieden. Aber sein Lebensmittelpunkt ist zurzeit in der großen Stadt, die sich ohne Unterlass um sie dreht. Aber wer weiß schon wielange noch? Sie hätte es nicht sagen können.

12.5.11 03:08


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Was ist nur in mich gefahren? Warum hab ich mich darauf eingelassen? Warum bin ich losgegangen und hab in deinen Armen geschlafen? Nur um mich jetzt einsam zu fühlen. Nur um im Nachhinein von Zweifeln aufgefressen zu werden. Da singt einer: "Ich mache meinen Frieden." und ich fühle mich wie vor den Kopf gestossen. Amigo, amigo ich hab es ihm nicht erzählt. Und nun? Ich liege hier und mein Kopf dreht sich. Gentleman hilf. So nah und so fern. Was soll ich nur tun? Ich habs ihm doch nicht erzählt. Weil es ein Fehler wär. Weil alles immer daran zerbrochen ist. Weil es ja auch gar nicht gut wär, sagt mein Kopf. WEIL es ihn überfordert. Und weil... doesn't matter. Ich hab alles falsch gemacht. Hab ich nicht? Oje. Deine Arme. Deine Hände. Dene Arme. Oje.

Mein Bauch ist so verwirrt, dass mein Kopf durchdreht.

1.5.11 00:19


Du hast uns den Ton abgedreht. Ich habe nicht mehr geredet. Das Schweigen hat uns kaputt gemacht. Mein Schweigen ist so laut, dass man damit mehrere Blocks beschallen könnte. Jemand, der dich nicht kennt, könnte denken, du wärst ruhig. Doch deine Ruhe implotiert. Du bist so laut, dass man weglaufen möchte, vor dem was du nicht sagst. Es gibt nur meine und deine Seite. Richtig und falsch. Nein. Es gibt nur Abstand und noch mehr Abstand. Ein tonloser Raum. Ein Universum zwischen uns. Eins, in dem jeder Laut verschluckt wird. Eine Wattewand steht. Schlägt man dagegen, ist sie weich und nachgiebig. Versuche ich zu schreien, wird alles eingesaugt. Ich flüchte vor der Stille, die so mächtig ist, dass sie einen verfolgt. Man muss sehr weit gehen, um sie nicht mehr zu hören. Und schlimmer noch, niemand kann den Raum dazwischen füllen.

Und ja, es ist nicht immer da. Und ja, die meiste Zeit denk ich nicht an dich. Nur wenn mich dieser stumme Ton trifft. Der nach Innen, der alle Laute schluckt, dann bist du überall. Voll und ganz. Ich sehe dein Gesicht, deine Augen. Es ist ein vorwurfsvoller Blick, den du hast. Ich habe ihn oft gesehen. Doch es ist so still. Totenstill.

Du hast uns den Ton abgedreht.

18.4.11 01:24


Ihre Gedanken sind verheddert. Langsam blinken die Nachrichten über den Bildschirm. Ihr Blick ist starr darauf gerichtet und ein kleines Gefühl von Schuld schleicht sich an. Sie unterdrückt es, weil ihr gesagt wird, dass es nicht an ihr liegt. Aber es sticht trotzdem noch ein bisschen. Sie freut sich auf ihn. Auf den See. Auf gemeinsame Erinnerungen und auf das Gefühl der Geborgenheit von letztem Jahr. Wenn da dieses Aber nicht wäre. Es mahnt sie vorsichtig zu sein. Ein guter Freund und eine Schulter zum Anlehnen. Und eine andere Realität. Die Tage bis dahin werden nur langsam verstreichen. Sie vermisst die langen Gespräche am Telefon.
22.2.11 04:25


"Einer will immer mehr. Einer will immer mehr. Und keiner will mich so sehr, wie du. Sowieso. Einer will immer mehr. Einer will immer mehr. Und keiner fällt das so schwer wie mir."

Alin Coen

 

21.2.11 23:02


Deine Hand liegt an meiner Hüfte. Ich halte den Kopf gesenkt. Wir vermeiden es, uns in die Augen zu schauen. Unsere Körper bewegen sich im Takt der Musik. Mein Bein streift über deins und ich bin dir so nah, dass ich deinen Duft riechen kann. Es lässt mich kurz den Ort vergessen, an dem ich bin. Du siehst gut aus, wie immer. Du bist in einer festen Beziehung, wie immer. Wir kennen uns schon lange und doch nicht wirklich. Wir reden nicht viel. Nur wenn wir zusammen tanzen, sprechen wir eine Sprache. Wir sind vorsichtig. Wir sind nicht allein. Wir tanzen eng und halten dann Abstand. Wieder liegt deine Hand ganz leicht auf meiner Seite und du hälst mich. Ganz leicht berühren sich unsere Beine und Oberkörper, während die Musik langsamer wird. Wir drehen uns. Kurz die Augen geschlossen. Taktwechsel wieder schneller. Ich muss mich an dir festhalten, um mein Gleichgewicht nicht zu verlieren. Ich mag dich. Das ist alles. Auch nicht weniger. Das, was wir haben, hält nur diesen Moment. Diese Nacht. Es ist nichts. Wir gehen auseinander und können guten Gewissens sagen: "Es ist nichts." Und wir haben recht. Du hast mir einen Moment der Ruhe geschenkt, auf einer Tanzfläche voll von Menschen. Ich schaue kurz nach oben. Ich lächele und deine Mund verzieht sich ganz leicht. Drei Sekunden später lässt du mich los und jemand neben mir drückt mir ein Bier in die Hand. Innerlich bin kurz zusammengezuckt. Doch das Lächeln bleibt, während ich mich umdrehe. Da sind sie alle wieder. Gruppendynamik. Wir fügen uns. Nur der Duft bleibt. Zum Glück. Und ich atme den Moment des Vergessens.
13.2.11 15:26


 

Wir leben zwei Leben. Das eine, das wir gern leben möchten und das zweite, das wir tatsächlich leben. Das ist, als hätte man eine Affäre mit sich selbst. Und wir können uns nicht immer selbst täuschen. Wir leben in beschissenen Zeiten, mein Freund. Und man müsste doch was tun. Oh, dieser Satz. Gesprochen von vielen und verklungen zwischen Kaffee und Zigaretten. Wir hängen an unserem Alltag fest. Der süße Honig, den sie uns geben, verklebt uns den Mund. Bis wir glauben, was wir sagen. Und das Salz in unseren Augen brennt so sehr, wenn wir Tränen hätten, würden wir sie vielleicht auch vergießen. Für unsere verlorene Jugend und für eine Zukunft, die keine ist. Die, die uns bekämpfen sind unsichtbar. Und doch vor uns und hinter uns. Sie ziehen uns das Geld von unseren Konten. Sie bewachen uns auf Schritt und Tritt. Niemand kann sich davonschleichen. Denn wir haben eine Verantwortung. Und was für eine das ist. Eine, die uns selbst nicht gleichgültiger sein könnte.

Nur in unseren Träumen finden wir uns wieder. Hier sind wir sicher vor uns. Hier brechen wir aus. Hier ist noch alles möglich. Kurz leuchten unsere Augen, weil sie eine Hoffnung erblickten, die noch immer verschleiert vor uns liegt. 

4.2.11 19:17


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